ca. 200 Seiten, ca. 15 Abbildungen
Hardcover mit SchutzumschlagFormat: 12,5 x 20,5 cm

ISBN: 978-3-945256-39-8
ca. € 22,00 (D) / € 22,60 (A)
lieferbar: 2017




Schottlaender, Rudolf / Selle, Irene / Reininghaus, Moritz

Deutschsein fünfmal anders

Erinnerungen eines Unangepassten

Generationen von DDR-Schülern hatten mit ihm zu tun, als im Deutschunterricht Sophokles’ Antigone in seiner brillanten Neuübersetzung behandelt wurde: Rudolf Schottlaender (1900– 1988). Heute ist der Philosoph, Altphilologe, Übersetzer und Publizist weithin unbekannt – zu Unrecht, wie seine Erinnerungen zeigen: Sie erweisen sich als Kaleidoskop der deutschen Geistesgeschichte im „Zeitalter der Extreme“ (Hobsbawm), in dem Schottlaender eine vermittelnde Position einnahm, mit der er in Ost und West gleichermaßen aneckte.

1921 aus der jüdischen Gemeinde ausgetreten, studierte Schottlaender Philosophie in Heidelberg (bei Jaspers) und in Freiburg im Breisgau (bei Husserl, Heidegger und Hartmann), er hatte Kontakt zum George-Kreis, lernte Günther Stern (später: Günther Anders) kennen und heiratete dessen Schwester. Nach der Promotion in Heidelberg trat er als erster deutscher Proust-Übersetzer in Erscheinung. Nur mit Glück überstand er die NS-Zeit. Nach 1945 unterrichtete er in Berlin. 1947 auf einen Lehrstuhl für Philosophie in Dresden berufen, wurde er bereits zwei Jahre später aus politischen Gründen wieder entlassen. Er kehrte nach West-Berlin zurück, wo er erneut als Lehrer tätig war. Aus Sorge vor einer Verschärfung des Kalten Krieges versuchte er einen Brückenschlag zur DDR und wurde daraufhin aus dem Schuldienst entlassen. Das bewog ihn, 1959 einem Ruf als Professor für römische Literatur an die Ost-Berliner Humboldt-Universität zu folgen.

Die Erinnerungen von Rudolf Schottlaender werden in unserer Neuausgabe erweitert: um eine Studie zur Kindespersönlichkeit bei Hemingway, Thomas Mann, Proust und Sartre, einen Essay zum Antisemitismus bei Luther, Marx und Wagner und ein ARD-Interview aus dem Jahr 1979, das Schottlaenders Resistenz gegenüber politischer Vereinnahmung zeigt und das dazu führte, dass er bis zu seinem Tod 1988 von der Staatssicherheit überwacht wurde.






 
verlag für
berlin-brandenburg

Der Verlag für Berlin-Brandenburg mit Sitz in Berlin-Pankow ist ein Sachbuchverlag mit Fokus auf Themen der Kultur- (insbesondere Literatur-) und Zeitgeschichte.

* Ihre Bestellung richtet sich an die Versandbuchhandlung Germinal GmbH. Wir liefern innerhalb Deutschlands versandkostenfrei. Der Verlag übernimmt bei Bestellungen über diese Website innerhalb Deutschlands für Sie die Portokosten.

Copyright Verlag für Berlin-Brandenburg.
Alle Rechte vorbehalten.