Dobler, Jens
Jens Dobler, 1965 geboren, ist Historiker und lebt in Berlin. Studium der Erziehungswissenschaften, Psychologie und Neueren Geschichte und Promotion an der TU Berlin. Seit vielen Jahren forscht er über die Unterwelt der Stadt. Er ist Fachmann für Berliner Polizeigeschichte und verschiedene Subkulturen. Von 2010 bis 2015 war er Leiter des Archivs sowie der Bibliothek des Schwulen Museums in Berlin. Heute leitet er die Polizeihistorische Sammlung im Polizeipräsidium Berlin. Zuletzt erschien 2020 im Metropol-Verlag Polizei und Homosexuelle in der Weimarer Republik. Zur Konstruktion des Sündenbabels.
You have never seen a dancer like Voo Doo

Das unglaubliche Leben des Willi Pape

Magnus Hirschfeld schrieb in seiner Studie Die Transvestiten (1910/12): »Der junge Transvestit Willi Pape, dessen Veranlagung durch einen Selbstmordversuch in Frauenkleidern bekannt wurde. Seine Eltern wurden vom Verfasser über seinen eigenartigen Zustand aufgeklärt und gestatteten ihm dann, zum Varieté zu gehen, wo er seitdem mit größtem Erfolg als Schlangentänzerin auftritt.« Willi Pape (1891–1940) war unter seinem Künstlernamen Voo Doo das Tanzphänomen der Varietébühnen der 1920er-Jahre in Berlin, Zürich, Paris und Wien. Mann oder Frau? Das war immer die Frage. Klassischer Damendarsteller oder frühes Beispiel von Trans*, queer oder non-binär? Voo Doo war immer mehr Bühne als Boulevard, mehr Spitzenartist als Sternchen, mehr fleißiger Arbeiter als Salonheld. Schließlich eröffnete er einen Club, zu dessen Gästen auch Klaus Mann zählte. Den Nationalsozialisten mit einem blauen Auge entkommen, verschwand Pape in der Versenkung, war aber nie ganz vergessen. Jens Dobler erzählt das unglaubliche Leben von Willi Pape alias Voo Doo, und unternimmt damit zugleich einen Streifzug durch die große Zeit der europäischen Varietékultur. 

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